Sonntag, 15. April 2012

Die Troika neoliberaler Denkfehler

Wer sich mit der Analyse der Ursachen fuer die nun seit fuenf Jahren anhaltende schwerste Wirtschaftskrise nach der grossen Depression im vergangenen Jahrhundert beschaeftigt, wird feststellen, dass die damit befassten Eliten auch nach mehr als vier Jahren voller verheerender Fakten ( 5 ) nichts anderes auf die Beine bekommen, als eine Fortsetzung des absurden Streits darueber, ob mehr Sparen oder mehr Schulden machen das richtig Rezept sei.

Dabei muesste nun langsam jedem Deppen ( 6 ) klar sein, dass Geld- und Zinspolitik alleine keine Loesungen fuer das darstellen, was als Kern der Probleme auszumachen ist. Die verheerende Wirkung des Sparens in einer solchen Situation sollte seit der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahrhundert bekannt sein. Sie zeigt sich bereits ueberdeutlich in den davon besonders betroffenen Euro Laendern ( 7891011 ). Dabei sind es im wesentlichen drei Denkfehler, die Dank der Verblendung durch die neoliberalen Ideologien "uebersehen" wurden und mit diesen Hand in Hand gehen, um so ein verheerendes Ursachenbuendel zu bilden, das angegangen werden muss, wenn man die Krise wirklich und im Sinne des Gemeinwohls loesen und ueberwinden will. Dieser Wille scheint aber in den Kreisen derer, die ueber die Mittel verfuegen und somit auch die Verantwortung fuer eine angemesssene Loesungsfindung tragen, vollkommen zu fehlen, denn anders ist die schon demagogisch erscheinende Fokusierung auf Staatsschulden nicht zu erklaeren. Viel mehr entsteht der Eindruck, als wolle man die Krise als Drohkulisse dazu benutzen, um die neoliberale Agenda und damit die ausufernde und durch nichts legitimierte Macht der Banken, der Konzerne und der dahinter stehenden Superreichen,  ein  gutes Stueck weiter vorwaerts zu bringen. Dabei schaelt sich doch inzwischen bei genauer Betrachtung ueberdeutlich heraus, das drei maechtig wirkende Denkfehler, die sich zum Teil gegenseitig bedingen und aufeinander in einer verstaerkenden Weise katalytisch wirken, als fundamentale Ursachen fuer das Desaster auszumachen sind und daher auch mit Prioritaet angegangen werden muessen, wenn man einer wirklichen Loesung naeher kommen will.

1.) Das "Erfolgsrezept" der stetigen und konsequenten Reinvestition von Ersparnissen und Gewinnen entwickelt ab einem gewissen Punkt eine starke deflationaere Tendenz dadurch, dass die so bewirkten Produktivitaetssteigerungen und Kostensenkungen zu einer Verminderung der Nachfrage fuehren, da immer weniger gut bezahlte menschliche Arbeit benoetigt wird, um immer mehr Produkte herstellen zu koennen
 ( 1 ).
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2.) Der Versuch dies von Seite des Banken- und  Finanzsystems durch eine extrem expansive Kreditvergabe ( 5 ) zu kompensieren, was letztendlich zu kreditfinanziertem Konsum im grossen Stil fuehrt, fuehrt direkt in die Ueberschuldung der Schwaecheren in allen Bereichen und nicht nur des Staates in den Volkswirtschaften, in denen dieses Rezept zur Anwendung gebracht wird.
( 2 ) Diese Volkswirtschaften degenerieren im Verlauf zunehmend, indem sie sich zu sog. Dienstleistungsgesellschaften wandeln, in denen die Herstellung realer Gueter nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Gleichzeitig entstehen Exportweltmeister, die zwar ebenfalls unter den Folgen des unter 1 beschriebenen  "Erfolgsrezepts" leiden (schwache Binnennachfrage), diese aber durch Exporte zu kompensieren suchen und so auch noch zu Kreditgebern fuer die degenerierten Volkswirtschaften werden.
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3.) Das "Erfolgsrezept" der stetigen und konsequenten Reinvestition von Ersparnissen und Gewinnen ist weiterhin begleitet von massiven Konzentrationsprozessen und erzeugt so auf der Ebene von Staaten aber auch auf den Ebenen von Unternehmen und Individuen stetig steigende Ungleichheiten und Ungleichgewichte, die sich in entsprechenden Handelsbilanzentwicklungen, Unternehmenskonzentrationen und Einkommens- und Vermoegensverteilungen artikulieren und letztendlich zu unbeherrschbaren Bankbilanzen und Risiken bei sich ebenfalls immer staerker konzentrierenden Grossbanken und im Finanzsystem fuehren muessen ( 3 ). Diese Konzentrationsprozesse wirken weiterhin katalytisch verstaerkend auf 1 und 2 zurueck, werden selber aber durch 1 und vor allem durch 2 immer weiter voran getrieben ( 4 ).
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Sapere Aude!

Georg Trappe

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